Hommage à
Marly Schüpbach
1912–1978
Les pâquerettes dans ce champ ressemblent au ciel étoilé que je croyais pouvoir saisir étant enfant. C’était cela le paradis pour moi. De pouvoir parler aux étoiles un jour me semblait le but de ma vie.
Marly Schüpbach
Über den Dächern von Paris, im 5. Stockwerk der Rue d’Assas im Quartier Latin lebte und arbeitete Marly Schüpbach. Dort, in ihrem bescheidenen Wohnatelier, verwirklichte sie ein Leben für die Kunst, dort entstand der wichtigste Teil ihres Werks. Dort war sie im Zentrum des modernen Kunstgeschehens, aber gleichzeitig auch in der künstlerischen Einsamkeit, in ständiger Selbstkritik, auf der Suche nach dem eigenen Weg im Labyrinth der aktuellsten Tendenzen des 20. Jahrhunderts.
In ihrer Jugend genoss sie eine gute Ausbildung. Ihr Talent wurde erkannt, die Tore zu wichtigen Begegnungen und zu einer Ausbildung, welche durch eine traditionelle Kunstlehre und neueste Impulse der Moderne geprägt war, wurden ihr geöffnet. Der Wunsch, Künstlerin zu werden, war jedoch schon in der Kindheit allein aus ihrer Persönlichkeit heraus gewachsen.
Ihr Werk, das nun erstmals systematisch aufgearbeitet wird, zeigt eine konsequente und spannende Entwicklung von gegenständlichen Themenkreisen zur Abstraktion. Obwohl sie zum Kreis der «Ecole de Paris» nach dem Zweiten Weltkrieg gezählt werden kann und einige Leitfiguren prägend wirkten, arbeitet sie in einem eigenen, unbestechlichen Stil, der Ausdruck einer kontinuierlichen Suche nach der künstlerischen Wahrheit ist.
In allen Werken verbindet sie ihr feines Gespür für Farbklänge und Helldunkel; sie schafft in ihren Bildern Lichträume und verbindet poetische Stimmungen mit klaren, bewussten Kompositionen; in ihren Städte- und Fensterbildern zeigt sie sich besonders als meisterhafte Bildarchitektin. Sie beherrscht die Ölmalerei, das Pastell und das transparente Aquarell gleichermassen. Allmählich vollzieht sich der Wandel in die Abstraktion; hier zeigt sich ihre Begabung für den geübten, rhythmischen Pinselstrich. Die Farbkompositionen klingen und erinnern an ihre musikalische Ausbildung, an ihr Klavierspiel. Immer auf der Suche, beginnt sie, die Technik der Collage für sich neu zu entdecken und macht damit den letzten Schritt in die totale Ungegenständlichkeit. Durch Einsatz von Naturfasern, Zeichenfragmenten und grafischen Notationen, welche die Collagen überziehen, schafft sie teppichartige Bildwelten, die allmählich stiller werden und Abschied von der früheren kräftigen Farbigkeit nehmen. Diese intensiven Bilderzählungen am Ende ihres Lebens sind nonverbale Zeugen eines spirituellen, von äusseren Zwängen befreiten Künstlerinnenlebens.
Katharina Bütikofer

Marly Schüpbach
1912
am 4. Februar 1912 wird Marie-Louise Schüpbach, genannt Marly, in Kirchberg BE als viertes von sechs Kindern geboren.
1930
Pensionat in La-Tour-de-Peilz.
1931–34
Ecole des Beaux-Arts Lausanne
Klavierspiel, musikalische Ausbildung an der Ecole Jaques-Dalcroze
Studienaufenthalt in Worpswede
Kurse an der Arts and Craft School London.
1935
Übersiedlung nach Paris, Entscheid zur künstlerischen Laufbahn.
Auf Anraten von Cuno Amiet Eintritt in die Académie Scandinave,
dann Wechsel in die Académie de la Grande Chaumière.
Verkehrt im Zirkel der Künstler und Intellektuellen wie Othon Friesz, Denis de Rougemont, André Pieyre de Mandriargues. Trifft Schweizer Künstler wie Hans Seiler und andere.
1938
Teilnahme am Salon d’Automne in Paris.
1938–56
Teilnahme an den Weihnachtsausstellungen in der Kunsthalle Bern.
1939
Kriegsbeginn, Rückkehr in die Schweiz. Arbeitet in Estavayer-le-Lac und in Vevey, Bekanntschaft mit Louis Moilliet. Eintritt in die Société des peintres, sculpteurs et architectes Suisses, Section de Paris.
1943
Siders, inspiriert durch Rilkes Werk.
1943–46
Zürich, Unterricht bei Albert Pfister.
Beeindruckt durch C. G. Jung und sein Institut.
1946
Einzelausstellung Lion d’or, Vevey.
1947
Nach Aufenthalt in Vevey Rückkehr nach Paris. Arbeitet vorübergehend mit André Lhote.
Pendelt zwischen Paris und der Schweiz (Burgdorf).
1957
Nach dem Tod des Vaters endgültige Niederlassung in Paris.
Konsequente Weiterverfolgung und Entwicklung des eigenen Stils.
Gehört zur freien Gruppe der Künstlerinnen und Künstler der «Nouvelle Ecole de Paris». Ist informiert und vielseitig interessiert, berät zum Beispiel ihren Cousin, den Kunstsammler Walter Hadorn, auf dessen Paris-Reisen.
Teilnahme an zahlreichen Gruppenausstellungen.
Städtevisionen in freier, oft an Klee und Moilliet erinnernder Farbigkeit.
Im Spätwerk Hinwendung zu einer lyrischen Abstraktion. Reduktion der Farbigkeit, anspruchsvolle Collagetechnik, kombiniert mit zeichenhaften Notationen.
1962
Einzelausstellung in der Galerie Varenne, Paris.
1964
Einzelausstellung in der Galerie Bertram, Burgdorf.
1972
Einzelausstellung in der Galerie Verena Müller, Bern.
1978
Sie stirbt am 16. März in Paris.

